Day 9: 12.02.14, Wüste, Masada, Totes Meer, 33 °C

„Drive to Dead Sea“ steht oben auf dem Programm. Wüste, Masada, Totes Meer, Baden, die Sonne scheint… Das verspricht ein Tag nur zum Geniessen zu werden, ohne Politik, Fragen, Meinungen, Gegensätze und Konflikte. Einige Mutige von uns habe die Bermudas und T-Shirts ausgepackt und warten geduldig auf die Abfahrt.

Aber halt! Da ist noch was anderes auf dem Programm. Genau, wir besuchen vorher das Unternehmen EXTAL (link), anscheinend von Schweizern gegründet. Wird sicher lustig.

In Maale Edumim – Maale Edumim? Kommt das nicht irgendwie bekannt vor? Oh doch!

Kurz vor der Abreise, Super Bowl, Scarlett Johansson, Soda Stream, Boykott (link)!

Also wird unser Tag doch etwas Politisches, Heikles, Kontroverses beinhalten. EXTAL produziert mit ca. 150 Israeli und 100 Palästinenser Aluminiumformen für Fenster und Türen in dieser international umstrittenen Siedlung Maale Edumim. Dani Basch, der Verwaltungsratspräsident, heisst uns herzlich willkommen. Er habe in Montreux gelebt und seine Frau komme aus Basel. Selbstverständlich hat dies unsere Gruppe nicht davon abgehalten die kritischen Fragen zu stellen. Ja, Palästinenser und Israeli arbeiten zusammen. Nein, keine Gewerkschaften. Ja, Mindestlohn und ja selbstverständlich auch für die Palästinenser. Umfeld schwierig, kein Export an Nachbarländer möglich.

Checkpoints für Palästinenser, kein Problem (kommen mit Firmenbus zur Arbeit). Klar gibt es kulturelle Unterschiede… Mit viel stolz zeigt er uns anschliessend den Betrieb und was wir sehen, sieht aus wie ein ganz normales und modernes KMU in der Schweiz. Ab geht’s in die Wüste, genauer gesagt runter geht’s in die Wüste und zwar auf -426 Meter. Auf dem Weg zur Herodesfestung Masada fahren wir an sehr karge steinige Landschaften vorbei bis wir das schöne blaue Meer sehen. Hoch oben in der Herodesfestung (link) sehen wir, sinnbildlich für unsere Reise, die Spuren der Geschichte, die ursprüngliche Gebäude der luxuriösen Herodesburg, die Gebäude der jüdischen Aufständern gegen die Römer, die Zellen der mittelalterlichen Mönche und rund um den Berg herum die Spuren der 2000 Jahre alten Belagerungswälle und römischen Zeltlager, als ob sie erst gestern abgezogen wären.

Wie unser Guide erklärte, wurde auch die Geschichte dieser Festung ein paar Mal umgeschrieben und neu interpretiert. So vereidigte die Israelische Armee lange Zeit ihre Soldaten auf Masada „Masada darf nie wieder fallen“. Heute sei es historisch umstritten ob die aufgeschriebene Geschichte von Flavius Josephus tatsächlich so abgespielt hat.

Seit den Selbstmordattacken auf Israel scheut man sich vor dem assoziierten kollektiven Selbstmord der Jüdischen Aufständern.

Wie wir auf unsere 10 tägige Israelreise mehrfach gelernt haben, hängt die „Wahrheit“ oft von der Perspektive des Betrachters ab und alles ist ein bisschen komplizierter. Und ab ging’s Baden im Toten Meer!